Igelstation Russikon

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ZOLvom 22. Dez. 1997

Aktuelles

Zürcher Oberländer, Text von 22. Dezember 1997

«Wir betrachten diese Aufgabe als unseren Lebensjob»

Zwei Frauen eröffnen heute neue Igelstation in der Ilgenhalde in Fehraltorf
sel. Seit heute gibt es in Fehraltorf eine Igelstation. Bis die beiden Betreuerinnen Edith Huber und Brigitte Berger ihren «Lebensjob» jedoch verwirklichen konnten, galt es einige Hürden zu überwinden. Nun ist alles so weit gediehen, dass sie der Bevölkerung aus dem Zürcher Oberland für Fragen zur Verfügung stehen und pflegebedürftige stachelige Patienten entgegennehmen.

Als die Fehraltorferin Edith Huber Anfang November im Fernsehen einen Beitrag über die ungewisse Zukunft der Igelstation von Verena Gubler in Volketswil sah, packte sie die Idee, eine eigene Station in dieser Art für das Zürcher Oberland zu schaffen. Zu zweit sollte allerdings diese Igelstation geführt und als Standort Fehraltorf gewählt, standen für die 39jährige als Ausgangsbedingungen fest. Nach einer zweiten Person musste Edith Huber nicht lange suchen; sie fand sie in ihrer 34jährigen Kollegin Brigitte Berger, die der Idee begeistert zustimmte.

Traumberuf schon immer mit Tieren verbunden
«Wenn unsere Familien dem Plan hingegen nicht zugestimmt hätten, wäre für uns klar gewesen, dass wir die Idee fallenlassen», war für die beiden Frauen von Beginn weg klar. Zu Hause wurde ihnen sodann nicht nur Akzeptanz zugesichert, sondern auch tatkräftige Unterstützung angeboten. An Tierliebe fehlt es den beiden Betreuerinnen der neuen Igelstation auf keinen Fall: Beide sahen ihren Traumberuf schon immer mit Tieren verbunden, den sie nun auf diese Weise verwirklichen wollen. «Wir betrachten diese Aufgabe als Lebensjob», gehen Huber und Berger einig. Über gewisse Erfahrungen mit Igeln verfügen die beiden bereits über Jahre hinweg; wie jedoch eine Igelstation professionell geführt wird, dies galt es binnen eines Monats zu lernen. «Die Lektüre von Fachbüchern ist nur die eine Seite; die andere, fast wichtigere Seite, sind die praktischen Erfahrungen», betont Berger. Diese haben sie bei Verena Gubler in Volketswil gesammelt. Die Betreuerin der dortigen Igelstation, die diese seit 14 Jahren führt, zeigte Huber und Berger den Umgang mit hilfsbedürftigen Igeln und führte sie in den Alltag in einer Pflegestation ein. Auch von seiten der igelstation Richterswil und von Tierärzten erhielten die beiden Frauen Ratschläge. Nebst dem intensiven Lernen galt es aber ebenfalls Organisatorischem und Administrativem nachzugehen. "Das grösste Problem war, einen Raum zu finden", meinte Berger mit einem Seufzen und fuhr fort: "Wir haben bei jedem Haus angeklopft, welches eine geeignete Räumlichkeit zu bieten schien."


Edith Huber (links) und Brigitte Berger können 14 pflegebedürftigen Igeln ein Obdach bieten.

Ungewisse Zukunftsaussichten mit Raum in der Ilgenhalde

So starteten sie eine unermüdliche Suche, und obwohl alle Leute, mit denen sie sprachen, die Idee ausgezeichnet fanden, boten ihnen schliesslich nur sehr wenige eine konkrete Unterstützung an. Fündig wurden sie am Ende in der Ilgenhalde, in der Sonderschule für geistig und mehrfachbehinderte Kinder. Dort erhielten sie einen Raum für 200 Franken monatlich, der über einen eigenen Eingang verfügt, genug Tageslicht bietet und einen Warm- und Kaltwasseranschluss hat. «Eine endgültige Lösung ist dies leider nicht, denn wir dürfen den Raum nur so lange haben, wie die Sonderschule ihn für eigenen Bedarf nicht braucht. Dies kann drei, vier Jahre dauern oder auch nur sechs Monate», bedauert Huber. So halten die beiden stets noch ein Auge nach einem günstigen Raum in Fehraltorf offen, wo sie einer gesicherten Zukunft entgegenblicken könnten. Finanziell haben die beiden bislang 1500 Franken aus der eigenen Tasche bezahlt; bis die Igelstation vollständig ausgerüstet sein wird, müssen noch etwa 7000 Franken ausgegeben werden. So kostet das unentbehrliche Mikroskop für Laborarbeiten an die 3000 Franken. Für die Kühllagerung von Medikamenten muss zudem ein Kühlschrank angeschafft werden.

Trotz grosser Unterstützung viele Kosten ungedeckt

Um die Kosten möglichst niedrig zu halten, haben ihre Ehemänner die Kisten in der Pflegestation selber gebaut. Die Kisten für draussen haben Fehraltorfer Schreiner kostenlos für die Igelstation angefertigt. Eine Zürcher Futterfirma habe sich ohne Zögern bereit erklärt, der Igelstation gratis Büchsenfutter zu liefern, erzählten die beiden mit Freude. Ferner übernehme die Naturschutzgruppe Fehraltorf die Hälfte der Mietkosten.
Dass monatlich trotzdem noch hohe Ausgaben anfallen werden, darüber machen sich Huber und Berger keine Illusionen: Kehrichtsackgebühren, teure Medikamente, Futterkalk, Pouletherzen und vieles weitere mehr komme hinzu, bis man den Strich unter die Rechnung machen könne. Rund 14 pflegebedürftigen Igeln wird die neue Igelstation Obdach bieten. Als Zeitaufwand rechnen die zwei Betreuerinnen durchschnittlich mit fünf Stunden täglich, wobei im Herbst – zur Stosszeit – möglicherweise mehr Arbeit anfallen wird. «Dieser Aufwand ist für uns kein Muss, sondern ein Hobby. Mit Geduld und Pflege haben wir schon manches kranke Tier durchgebracht», sagen die beiden voll Engagement. Für Fragen zu Igeln und Informationen zur Igelstation in Fehraltorf stehen Edith Huber sowie Brigitte Berger unter Telefon 044 954 30 12, gerne zur Verfügung. Persönliche Unterstützung wird ebenso gerne entgegengenommen wie finanzielle Hilfe.



                                                  



Hinweis der Igelstation Feraltorf:
In der Zwischenzeit konnte eine neue Unterkunft in Russikon gefunden werden.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Igelstation Russikon
Brigitte Berger, Käthi Graf
Tel: 044 954 30 12


 
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