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Schneckenkörner

Wissenwertes


Die Tragödie spielt sich in den Gärten ab. Wo gedankenlos mit Schneckenkörnern hantiert wird, gehen Igel elendiglich zugrunde. Sie sterben an einer schleichenden Vergiftung. Alternativen zu den Schneckenkörnern gäbe es allerdings viele.


vo URSULA LITMANOWITSCH

Eine andauernde Schlechtwetterlage ist ein Eldorado für die Schnecken. Der Blick in die Regale der Gartenabteilungen indes erschreckt: Die Schneckenkörner sind ausverkauft, tausende der Kriecher bereits vergiftet und das Igelvolk bald ausgestorben. Die Ursache: Das Kleingedruckte «Wird von Igeln gemieden» auf der Schneckenkörnerpackung verbreitet geradezu Harmlosigkeit und irritiert. Unbedenklich ist die Anwendung des Giftes keineswegs. Klar fressen die Igel die ausgestreuten Körner nicht als solche, wohl aber die damit vergifteten Schnecken. Auf diese Weise nehmen sie über die Nahrung auch das in den Körnern enthaltene Metaldehyd (bekannt auch aus den Metatabletten) auf. Eine schleichende Vergiftung ist die Folge. Wie der Schaffhauser Toxikologe Markus Zingg bestätigt, könnte die Aufnahme einer einzigen vergifteten Schneckenmahlzeit für den Igel noch verkraftbar sein, denn: «innerhalb von 48 Stunden baut sich das Metaldehyd wieder ab». Leider aber nur Theorie, denn die Igel fressen mindestens zweimal innerhalb von 24 Stunden. Ein permanentes Abschwächen und eine allgemeine Stoffwechselstörung führen schliesslich zum Tode.

Laut Barbara Gehring vom WWF ist es die Summe des gesamten Giftcoctails in den Privatgärten, die den Igeln massiv zusetzt. Darauf weist auch die Tatsache hin, dass vermehrt Igel tagsüber anzutreffen sind. Dies ist ein eindeutiges Alarmzeichen, denn, so Gehring: «Der Igel ist ausgesprochen nachtaktiv. Trifft man ihn tagsüber an, so ist sein Organismus bereits so geschwächt, dass mit Sicherheit etwas mit ihm nicht stimmt.» Barbara Gehring, die im eigenen Garten die Erfahrung gemacht hat, dass die Schnecken heuer im Grossaufmarsch daherkommen, rät dringend von der Verwendung von Schneckenkörnern ab: «Es gibt viele gute Methoden, um die Schnecken anderswie im Zaum zu halten.» Ein Merkblatt, das beim WWF abgegeben wird, enthält übrigens wertvolle Tips und viele Hinweise zum Thema.

Stadtökologe Urs Capaut ist ebenfalls davon überzeugt, dass durch gezieltes und richtiges Verhalten jedes einzelnen erreicht werden kann, dass das langsame Dahinsiechen der Igel an vergifteten Schnecken endlich gestoppt wird. Als Methoden zur Schneckenabwehr zählt er das Auslegen von Sägespänen oder das Erstellen eines Schneckenzaunes als wirksame Massnahmen auf. Weiter führt Capaul aus, dass auch die Vögel durch den Verzehr vergifteter Schnecken eingehen. Gefährdet ist vor allem die Singdrossel, die sehr viele Schnecken frisst.

Toxikologe Markus Zingg dazu: «Viele Vögel, die tot am Boden liegen, sind nicht das Opfer einer Katze geworden, sondern an einer Vergiftung zugrunde gegangen.»

Der Clou hingegen kommt noch. Laut Zingg kann sich ein Anwender von Schneckenkörnern sogar strafbar machen. Dann nämlich, wenn die Ware an ungeschützten Orten ausgebracht wird, wo Kinder Zugriff dazu haben. Eine Handvoll Schneckengift, um die 50 bis 60 Körner, reicht nämlich aus, um bei einem Kind eine akute Vergiftung hervorzurufen. Wegen unbeabsichtigten Giftstreuens könnte somit der Gartenbesitzer verklagt werden. Für Vögel und Igel hingegen gibt es keine Kläger.

Dass so viele Leute so unbedenklich damit hantieren, führt Zingg einerseits auf einen gewissen Egoismus des Hobbygärtners, andererseits auf den irreführenden Hinweis auf der Packung zurück. Wegen Produktionsfreiheit lässt sich jedoch der Verkauf der Körner nicht verbieten. Die Deklaration auf der Packung legitimiert dazu. Der Ball liegt also beim Anwender und, so Zingg abschliessend: «Wenn man schon Schneckengift ausstreut, dann ist es das absolute Minimum, die verendeten Schnecken auch sofort sorgfältig einzusammeln.»


                                                  

 


Schneckenbekämpfung ohne die blauen Körner ist möglich - und umweltfreundlich

Kein anderes Tier wird im Garten so konsequent verfolgt wie die Schnecke. In diesem Jahr scheinen die Schnecken die Gärten besonders zahlreich zu besiedeln. Die Tiere können aber auch ohne die hochgiftigen Schneckenkörner bekämpft werden.




Die Schnecke ist der Feind Nr. 1 jedes Gartenbesitzers. Der Igel kann hier dem Menschen nützliche Dienste erweisen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass wir dem Igel einen geeigneten Lebensraum bieten. Mit dem Einsatz von Schneckenkörner gefährden wir das Leben des Igels.

Jahr für Jahr derselbe Ärger: Dort wo die aus gesäten Rüebli wachsen sollten, bleibt das Gartenbeet leer, Salate sind plötzlich weg oder nur noch Gerippe, und die Blätter von jungen Tagetes schrumpfen zu traurigen Resten. Mit verbissener Kampfeslust gehen Gärtner und Gärterinnen gegen die Feinde Nummer eins vor. Manche von ihnen greifen in Ihrer Verzweiflung zu den Schneckenkörnern. Das Problem bei der Anwendung von Schneckenkörnern liegt jedoch darin, dass sie zwar die Dichte der Schnecken zum Zeitpunkt der Anwendung dezimieren, die Ursachen, die zur Übervermehrung oder Einwanderung der Schnecken im Garten führen, jedoch nicht beheben. Zudem enthalten die blauen Körner Substanzen, die auch andere Lebewesen im Boden umbringen und Wild- und Haustieren schaden können.

Trockenheit ist der Hauptfeind:

Der grösste Feind der Schnecken ist die Trockenheit. Unter dichtem Pflanzenbewuchs und an anderen feuchten Plätzen suchen sie Schutz bis zum nächsten Regen. Nur auf feuchtem Boden können sie sich zur Nahrungssuche fortbewegen. Dieses Verhalten kann sich der Gärtner zunutze machen. Durch Auslegen geeigneter Unterschlüpfe wie Steinplatten oder Breiter oder von Schalenhälften von Zitrusfrüchten werden die Schnecken in diese Unterschlüpfe gelockt und können tagsüber leicht eingesammelt werden.

Bei anhaltender Trockenheit vertrocknen oder verhungern zahlreiche Schnecken, die keine idealen Unterschlüpfe gefunden haben. Diese Verminderung des Bestandes kann durch gezielte Bewässerungsmethoden gefördert werden. Der Garten wird statt am Abend am frühen Morgen gegossen, so dass die sonnenscheuen Tiere die Feuchtigkeit nicht mehr zur Nahrungssuche ausnutzen können. jede Pflanze sollte alle zwei bis drei Tage einzeln und kräftig gegossen werden, damit die Schnecken keine grösseren feuchten Flächen finden, auf denen sie sich fortbewegen können.

Das Zerschneiden von Schnecken bringt nichts:
Um der Ausbreitung von Krankheitserregern vorzubeugen, haben die Schnecken die Eigenart, ihre toten Artgenossen sofort aufzufressen. Nicht zu empfehlen ist deshalb die weitverbreitete Methode, die Schnecken mit der Schere zu zerschneiden. Dadurch werden zahlreiche weitere Individuen angelockt, die nach dem Verzehr der Leichen gerne den Salat zum Dessert nehmen.

Den gleichen Effekt hat das Eingraben von mit Bier gefüllten Bechern. Schnecken haben einen sehr feinen Geruchssinn und werden von diesen Bierfallen von weitem angelockt. Dabei nimmt die Schneckendichte im Garten trotz der ertrunkenen Oper laufend zu. Dasselbe gilt auch für Schneckenkörner: Auch diese locken auch die Schnecken in Nachbars Garten an.

Auch nützliche Tiere
Neben all den Schäden, die Schnecken in einem Garten anrichten können, sollte man nicht vergessen, dass diese Tiere - bei «normaler» Dichte auch nützlich sind. Schnecken spielen eine wesentliche Rolle als Aasfresser, Zudem zersetzen sie Pflanzenreste und helfen so mit bei der Humusbildung.

Das massenhafte Auftreten gerade von Nacktschnecken zeigt, dass das natürliche Gleichgewicht gestört ist. Viele Feinde der Schnecken können in unserer Umwelt nicht mehr existieren. Auch fördern gewissen Kulturmassnahmen die Übervermehrung der Nacktschnecken. (RZ)

Tips zur natürlichen Schneckenbekämpfung

  • Die natürlichen Feinde der Schnecken mit entsprechenden Unterschlüpfen fördern: Igel, Spitzmäuse, Maulwürfe, Blindschleichen, Kröten, Käfer, Vögel.

  • Schneckenfeindliches Mulchmaterial wie Farnkraut, Gerstenspreu, Schilfhäcksel (Cartalit) verwenden.

  • Zum Einsammeln der Schnecken eignen sich ausgelegte Bretter, unter denen sich die Schnecken gerne tagsüber und bei trockener Witterung verstecken. (Schnecken nachher zum Beispiel mit kochendem Wasser überbrühen). Nichts stösst Schnecken so sehr ab wie Schneckenbrühe. Stinkiger Sud von heiss abgebrühten Schnecken, der 14 Tage stehengelassen wurde, vertreibt die Tiere im Nu.

  • Nicht zu früh säen. Bei warmer Witterung wachsen die Keimlinge schneller und ohne Unterbruch heran. Entsprechend kleiner ist das Risiko, dass sie von den Schnecken gefressen werden.

  • Junge Setzlinge mit Wanderschranken schützen: Sonnenhüte (im Handel erhältlich) werden zu diesem Zweck über die Pflanzen gestülpt und rundum dicht in die Erde gegraben. Fichtennadeln, Farnblätter oder Tomatenzweige in einem breiten Ring um die Setzlinge streuen.

  • Am Morgen, und nur alle zwei bis drei Tage, kräftig giessen. (Ganzflächiges Berieseln lockt die Schnecken zu Hunderten an die Pflanzen.)



 
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